Anfang und Methode der Philosophie

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Der Menschh fällt nicht vom Himmel. Wenn er die Augen öffnet, sieht er sich nicht einer Welt von Erscheinungen gegenüber, die ihm den Blick auf die Wahrheit verstellen, wie uns Kant glauben machen will, sondern einer Wirk-lichkeit, die wesentlich das Werk seiner Hände ist. Seine Welt offenbart sich ihm als Ordnung, die ihren Ursprung in seiner gesellschaftlichen Praxis hat. Hegel, der angebliche Idealist, kommt wie Faust zu dem Schluß „am Anfang war die Tat“. „Daß der Mensch sich zu dem machen muß, was er ist, daß er im Schweiße seines Angesichtes sein Brot ißt, hervorbringen muß, was er ist, das gehört zum Wesentlichen, zum Ausgezeichneten des Menschen“ Der kulturelle Kontext, der aus der Form gesellschaftlicher Reproduktion hervorgeht, der Geist der Zeit, bildet die Substanz der Individuen und erweist sich als ihr gemeinsamer Horizont. “Keiner kann über seine Zeit wahrhaft hinaus, sowenig wie aus seiner Haut.“ So ist auch „die Philosophie ganz identisch mit ihrer Zeit. Sie steht daher nicht über ihrer Zeit, sie ist das Wissen des Substanziellen ihrer Zeit.“ Damit ist aber auch der allein mögliche Anfang der Philosophie ausgesprochen, der wesentlich ein Anfang in Bezug auf das philosophierende Subjekt ist, das seiner Zeit angehört. In der „Philosophie sind wir immer in der Gegenwart.“ Deswegen, so Hegel, kann es „heutigentages keine Platoniker, Aristoteliker .. mehr geben…. Mumien unter das Lebendige gebracht, können unter diesem nicht aushalten.“ Philosophie als der Gedanke der Zeit, ist das Selbstbewußtsein des menschlichen Geistes. Als dieses Selbstbewußtsein ist er zugleich über die Gestalt seines Daseins hinaus. „Das Höchste aber für den Geist ist, sich ...zum Gedanken seiner selbst zu bringen….aber diese Vollbringung ist zugleich sein Untergang und das Hervortreten eines anderen Geistes,..“ So bestimmt sich die Philosophie als „die innere Geburtsstätte des Geistes, der später zu wirklicher Gestaltung hervortreten wird“ Ihr fällt die Aufgabe zu „die gewohnten Anschauungen der Welt, an was (der Mensch) sich im Leben und Denken sonst hält, seinen Begriff vom Wahren, vom Recht, von Gott“ neu zu denken. Philosophie ist Diagnose ihrer Zeit und tritt nach Hegel wesentlich dann auf den Plan, wenn eine Gestalt des Lebens in der sich der Geist ein objektives Dasein gibt, brüchig wird. So stellt die Rechtsphilosophie keineswegs eine Ethik dar, die uns mit den Krücken der Moralität auf die Bürgerliche Gesellschaft, eine ‚altgewordene Gestalt des Lebens‘ einschwören will, eine weitverbreitete Leseweise, die dem Hegelschen Denken äüßerlich bleibt. Hegel geht es vielmehr um die Wiederherstellung der in der bürgerlichen Gesellschaft in ihre Extreme verlorenen Sittlichkeit, um die Aufhebung derEntzweiung, Entfremdung.Hegel hat die Reformation als Revolution begriffen, eine Revolutionierung der Beziehung des Menschen zu Gott. In einem Brief an Voss, den Homer-Übersetzer stellt er sich an die Seite Luthers. "Luther", so Hegel "hat die Bibel ins Deutsche übersetzt, ich will die Philosophie deutsch sprechen lehren.“ Hegels Intension war es, das Verhältnis des Menschen zum Menschen zu revolutionieren, einem neuen Bewußtsein den Weg zu bereiten. Er setzt den Abstraktionen der Aufklärung – der Abstraktion des Einzelnen - das gesellschaftliche Individuum entgegen. „Abstraktionen in der Wirklichkeit geltend machen“ so Hegel, „zerstören diese“ – ein Prozeß, der sich gerade vor unseren Augen abspielt – Der Begriff aber ist der logische Ausdruck für das so bestimmte In-der-Welt-sein des Menschen. Die Methode verlangt, daß wir in unserem Denken dieser Bewegung entsprechen, daß wir die Arbeit des Begriffs auf uns nehmen.